< zone Ø > , Horner Seeufer, Kunstweg «Strandgut» 2007



Box mit Foto-Installation, Grabungsstelle und diversen Fundstücken aus gegossenem Beton. Objekte und Video Security System verweisen auf das hinter der Uferzone gelegene, stillgelegte Raduner Areal, die Positionierung der Grabung orientiert sich am ehemaligen Verlauf des alten Seeufers. Vergangenes transformiert sich in Gegenwärtiges, unser aktueller Standpunkt ist bereits Geschichte...



Im Bereich der alten Ufermauer, überrascht eine fingierte Ausgrabung mit in Beton gegossenen Fundstücken aus dem Raduner Areal.



Das stillgelegte Areal wurde mit ausgedehnten Bild- und Videoarbeiten recherchiert. Teile des entstandenen Bildarchivs und eine live Schaltung mit einer Überwachungskamera sind ebenfalls in der Box zu sehen. Die Arbeit spielt mit verschiedenen Zeitebenen und unterschiedlichen künstlerischen Strategien.



Martin Preisser, aus dem St. Galler TAGBLATT | Freitag 24. August 2007 | Kultur Thurgau : Die meisten Künstler der Kunstaktion «Strandgut» thematisieren die Atmosphäre am See und setzten eine bestehende künstlerische Idee mit oder an der Box um. Anders das Künstlerpaar «steffenschöni»: Von Anfang an war klar, dass sich die beiden vom Hinterland faszinieren lassen würden. Und hinter (oder eben vor?) ihrer Box liegt das verlassene «Raduner-Areal», eine ehemalige Textilverarbeitungsfabrik. Recht giftig wirken die (realen) Farben der Fotografien, die «steffenschöni» im Innern der Fabrik aufgenommen hat. «Haben Sie diese Fotos in Polen gemacht», wurden die Künstler gefragt. «Diese Fabrik ist ein Skandal», ereiferten sich einige Kunstinteressierte. «Die Horner verstehen die Arbeit eher politisch», sagt Karl Steffen, dem es bei der Installation aber nie um Naturschutz, um Anklage oder Skandal ging. «Wir haben die Zone mit künstlerischen Strategien erforscht», sagt Heidi Schöni. Box 13 steht an der alten Ufermauer. Vor der Box ist aufgeschüttetes Land. Die Aufschüttung und die Zeit davor ist auf historischen Fotos festgehalten, die einen Gegenpol zu den gefährlich wirkenden Raduner-Aufnahmen bilden. In den Archiven fände man praktisch nichts über diese vor rund zwanzig Jahren stillgelegte Fabrik, sagen «steffenschöni». Nur ein Bundesgerichtsurteil von 1920 fanden Sie im Internet, dieses erlaube der Fabrik die Entnahme von Frischwasser aus dem See. steffenschöni sind von alten Industrieanlagen begeistert. «Und diese Horner Fabrik schlägt alles» schwärmen die Künstler. Von der künstlerischen Strategie her sind «steffenschöni» auch Forscher, Sucher, Sammler, Graber. Sie lassen sich erst einmal auf Vorgefundenes ein, sortieren dann, wählen aus, reduzieren und schaffen daraus ihre Installation. Das ist immer auch ein Wagnis. «Mit diesem Arbeitsansatz beziehen wir immer auch ein Stück weit das Scheitern mit ein», sagt Karl Steffen. Neben surreal wirkenden Fotografien und den historischen Aufnahmen in der Box, die so zu einem eigentlichen Infostand wird, wären «steffenschöni» nicht «steffenschöni», wenn sie nicht auch inszenieren würden. Ein archäologisches Feld, eine Grube mit Gegenständen, beispielsweise ein in Beton gegossener Monitor. Was ist wahr, was wirklich gefunden, was inszeniert? Hier fängt das Spiel um Wahrnehmung und Phantasie an. «Es ist neben der Lust des Sammelns und Grabens auch die Lust am Fabulieren», gesteht Heidi Schöni. Die Fabrik ist nicht einfach tot. Sie dient als Kulisse für Gothik Aktfotografie, wie «steffenschöni» recherchiert haben, und ist beliebtes Sujet von Fotografen alter Industrieanlagen: «Und die Wildnis nimmt sich wieder ihren Raum.». Das Künstlerpaar hat eine Überwachungskamera in der Fabrik aufgestellt, die Bilder in die Box sendet. Der Monitor als Zeichen der Gegenwart, als Beweis des Realen zwischen Fotografien, die unwirklich wirken oder eben aus längst vergangener Zeiten stammen. Ein Stück zurückgelassener Landschaft zu neuer Präsenz verhelfen, mit den Mittel des Ortes selbst arbeiten und in neuer Zusammensetzung Unerwartetes installieren. Aufmerksamkeit wecken, ohne irgendeinen Zeigefinger zur Auseinandersetzung mit einem heiklen Gebiet einladen, das tut Box 13.

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