< sprouts lab > from the series “still live rec play / still life rec play”,
Ausstellung mit „videOst“, Verein Ostschweizer VideokuenstlerInnen, www.videost.ch ,
im Sensorium in Frauenfeld.
www.meet.einander.li ,Künstlerbegegnung der Internationalen Bodenseekonferenz
2003 in Vaduz, Fürstentum Liechtenstein
Farbe, sagte Newton, kommt dannach. Das Experiment in der Dunkelkammer drehte sich nicht um das Spektrum, sondern um die unterschiedliche Brechung der Strahlen, aus denen das Lichtbündel besteht.
Hume, der seine Vorstellung von dieser Methode in der Philosophie eingeführt hat, entdeckte, dass wir passivische Wahrnehmungsbündel sind; das Selbst kommt nachher... Nach was?) Goethe sah, als er durch ein Prisma hindurch in einen erleuchteten Raum blickte, chromatische Abberationen, erinnerte sich daran, was Newton getan hatte, damit aus Licht Farben entstehen – er krümmte es durch ein Kristallprisma -, und sagte: Farbe ist das Erleiden von Licht.
Andere Alchemisten führten die Ursprünge von Licht auf Bitterkeit zurück, besonders auf Salz.
Zitat:Gus Blaisdell, für Felice Gonzales, Albuquerque 1988, in: Lewis Balz „RULE WITHOUT EXEPTION“
Einem Versuchslabor nachempfunden ist die Installation des Künstlerduos Karl Steffen und Heidi Schöni. Der Biochemiker und die Malerin konzentrieren sich in ihren künstlerischen Videoarbeiten ausschliesslich auf Pflanzen, die der Ernährung dienen. Damit lenken sie unsere Aufmerksamkeit auf kaum beachtete, weil unspektakuläre Ereignisse, von denen unser Leben allerdings abhängt – das Wachstum der Pflanzen.
Die Blätter der jungen Maispflanzen in den Töpfen bewegen sich kaum merklich im spärlichen Luftzug, der trotz sengender Sonne durch die geöffneten Türflügel des Atelierhäuschens dringt. Videokameras zeichnen diese winzigen Veränderungen auf und übertragen die Bilder auf Minimonitoren. In einer wassergefüllten Glasschüssel entwickeln sich Pflanzenkeimlinge, die Vergrösserung über Hellraumprojektor macht ihre verästelten Formen, die sich in ständigem Wandel befinden, sichtbar.
Geduld ist gefragt, bei dieser Videoinstallation, Zeit zur Betrachtung, die uns fehlt, weil wir gewohnt sind, im Zeitraffer zu leben.
Text „Evelyne Bermann“, 2003, Projektbeschriebe, www.meet.einander.li
Ins Zentrum der Wahrnehmung, „sprouts lab“.
Bei der ersten Versuchsanordnung setzen steffenschöni eine transparente Schale mit Keimlingen in Nährlösung auf einen Hellraum-Projektor mit Schriftfolien. Die Texte erscheinen farbig an der Wand,
die Keimlinge sind als Schattenbild sichtbar. Nicht nur das Medium bestimmt also die Abbildung des realen Gegenstandes, sondern auch die Beschaffenheit des abgebildeten Gegenstandes selbst.
Die Keimlinge der zweiten Versuchsanordnung werden mit einer Videokamera gefilmt und erscheinen in einem Nebenraum als Videoprojektion. Die Schrift ist jetzt kaum mehr sichtbar, dafür überdimensionale Keimlinge. Ein Prozess, der täglich billionenfach abläuft, dem wir aber selten Beachtung schenken, wird hier plötzlich riesig und in einer Live-Übertragung gezeigt. Er rückt damit ins Zentrum unserer Wahrnehmung und wird für einen Augenblick ungeheuer wichtig.
Text „Rebekka Ray“, Febr. 2003, Thurgauer Zeitung