Mit “basic(s)” arbeiteten wir weiter an der Archäologie des Alltags und zeigten Bilder
aus dem Untergrund der Kunsthalle.
In der Längsachse der Halle wird sichtbar, was der Raum normalerweise verbirgt.
Lichtscheue, blasse Gewächse wachsen auf Monitorflächen in den Raum.
Gleichzeitig üppig und minimal.
Wahrnehmungsprozesse werden aktiviert, Übersetzung geschieht durch Übertragung.
Unten ist oben, der Boden der Kunsthalle wird zum Transformer.
Die Bilder im Untergrundlabor entstehen unter erschwerten Bedingungen,
Gewächse wachsen unter widrigsten Umständen.
Die Arbeit reiht sich in die Thematik “still live rec play / still life rec play”,
das Stilleben als Memento mori, als aktuelle Sicht auf die Dinge, als Einblick in divergierende Welten.
Die klassischen Elementen des Arrangements werden gebrochen, gespiegelt, transformiert, übertragen, begehbar und der Betrachter damit Teil der Anordnung.
Eine Vielzahl kleiner Monitore fällt zuerst auf. Sie zaubern Unterwelt auf den Boden, pflanzliche Unterwelt. Mit Überwachungskameras im Kellerloch, wo ohne Sonnenlicht Grundnahrungsmittel angepflanzt wurden. Kann man etwas so schwer Fassbares wie Wachstum beobachten, mit modernen Medien räumlich machen, kann man das «Gras wachsen sehen»?
«steffenschoenis» Unterwelt ist begehbar, der Voyeur der Pflanzenwelt kommt selbst ins Bild. Klassische Stillleben-Ästhetik wird da wachgerufen. Und Fragen werden in Gang gesetzt über die Wirklichkeit medialer Vermittlung von visuell Wahrgenommenem. «basic(s)» spielt hier mit der doppelten «Wirklichkeit» auch räumlich, unter dem Kunsthalle-Boden, auf dem Kunsthalle-Boden. Es wird doppelbödig mit dem Blick auf «verborgene» Wurzeln von Wirklichkeit. Sie sind weiter in die Kellergewölbe vorgedrungen. An zwei Bildschirmen, jetzt statisch, zeigen sie wie in zufälligen Momentaufnahmen Kellerboden, und wieder in ganz «zwielichtigem» Spiel mit Objektivität. Die Fotografien, festgehaltene Suche einer Archäologie des Alltags, Fundstücke einer Welt «unter uns» zeigen Spuren von längst Vergessenem, oder auch Allbekanntes in medialer Verfremdung, sprich hier: Verschönerung.
Durch das zweite Loch wird der Blick in die Unterwelt freigegeben, der Boden dient als Leinwand.
Der Raum ist Medium geworden. In der Videoprojektion sieht man unter anderem, wie Pflanzen ausgetopft werden, wie Saat hergerichtet wird. Wiederum gewinnt man Einblicke ins Wachsen als Prozesshaftigkeit. «steffenschoeni» gehen nicht schrill um mit ihren modernen Medien, sie nutzen sie, um durchaus «Bodenhaftung» zu erzeugen, «basic(s)» eben. Unten wird oben, der Kunsthallenboden wird Umwandler. Es lohnt sich, ihn zu begehen und sich den Bildern zu überlassen.
"Martin Preisser, aus dem TAGBLATT 27.08.2003"