IM RING 2008


Peinture animée
Zusammenarbeit mit Elvira Isenring Boxerin: Sarah Bitterling Ton: Simon Berz/ Dank an Boxclub Seitenwechsel, Berlin


Videostill, Super8
„Im Ring“ ist ein Kunstprojekt, das die Medien, Film, Malerei „peinture animée“ und Tonkomposition miteinander verknüpft. Es ist ein ringen um einen gemeinsamen Ausdruck, der sich durch die Konfrontation der Kunstschaffenden und Vereinigung ihrer Arbeiten findet. Ausgangspunkt und Quelle der Inspiration ist die Stadt Berlin, in der wir uns begegnet sind und zusammen dieses Projekt entwickelt haben. Es geht um das ringen mit anderen Menschen, um andere Menschen, gegen andere Menschen, in einer Stadt, die ganz unterschiedliche bis auch widersprüchliche Facetten aufweist. Berlin ist einerseits die Grossstadt mit einer interessanten, inspirierenden Kultur- und Kunstszene, eine lebendige, multikulturelle und bewegte Stadt, in die man sich gerne hineinprojiziert, wenn einem in der Schweiz alles zu klein und zu eng wird. Und gleichzeitig ist es auch die Stadt, die eine schmerzvolle Geschichte in sich birgt: Berlin ist das Herzen der Zerstörung, der Trauer und der Hoffnungslosigkeit. Die Animationsbilder zeigen eine junge dynamische Boxerin. Die junge Frau teilt Boxschläge aus, ihre Bewegungen sind Angriffe, sie kämpft, ringt sich durch. Ihre durch die Animation abstrahierten Bewegungen werden durch die gefilmten Sequenzen in einen konkreten, sich verändernden Kontext gestellt – der Kontext ist der Dschungel der fremden Grossstadt, in der sich das Subjekt, der Betrachter, seinen Weg sucht. Die Boxerin ist Angreiferin, aber auch Verliererin. Wild schlägt sie um sich, verliert dabei das Gleichgewicht, fängt sich wieder auf, um sich von neuem durchzuboxen. Ihre Bewegungen werden in bewegte Malerei „peinture animée“ umgesetzt, die die Wahrnehmung der Bewegungen in zeitlicher und rhythmischer Abfolge verfremdet. Der Filmteil inspiriert sich in und um die U-Bahnstationen, Nachtstimmungen, leere Plätze, lange Gänge und Passagen. Der Betrachter steht alleine und verloren in einer leeren U-Bahnunterführung, dann kämpft er sich durch eine Menschenmenge durch. Der visuelle Ablauf variiert zwischen Animations- und Filmsequenzen, die sich in einem bestimmten Rhythmus ablösen und ineinander übergehen. Der Ton hat die Funktion die beiden Elemente Film und Animation miteinander zu verknüpfen. Die Tonpalette setzt sich aus den verschiedenen Aufnahmen aus dem Boxclub, aber auch aus den Stimmungsmomenten des Filmes zusammen. Wildes Aufschlagen und erschöpftes Aufkeuchen der Boxerin vermischen sich mit den Geräuschen der Stadt, mit dem rhythmischen Schleifgeräusch der Rolltreppe, dem Zuschlagen einer Tür, dem Abfahren der Metro. Die Tonebene hat aber nicht die Funktion, eine Situation naturalistisch widerzugeben. Eine kollektive Reflexion über das Ringen mit den Menschen, die das Leben grausam und unerträglich, aber auch lebenswert und wunderbar machen.





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