Installation von SWIM in der Loge/Stadtgalerie, Bern, Kuratorin: Sylvia Rüttimann Computerprogramm Max/ Ton: Daniel Zea
Schauspielerin: Lucie Zelger
Cellistin: Stéphanie Maurer,
SWIM-Simulator unter:
www.danielzea.org (- list of works - swim)
Die junge Künstlerin Alexandra Maurer (*1978, St. Gallen), die schon an Ausstellungen
im In- und Ausland (z.B. Sammlung Essl, Wien) das Publikum begeisterte,
führt in ihrer Kunst die traditionellen und neuen Medien Malerei und Film zusammen:
Sie lässt Schauspieler eine einfache Bewegung ausführen, filmt diese dabei
und setzt die filmischen Bilder in expressive Malerei um. Diese Bilder werden
nun wiederum gefilmt und mit Hilfe eines Computerprogramms in eine zufällige,
aber nicht abbrechende Reihenfolge gebracht. «Peinture animée» nennt die
Künstlerin das Produkt und lässt es von einer eigens dazu komponierten Tonspur
begleiten.
Diese Verknüpfung von Tradition und Technik erlaubt ganz neuartige Seherlebnisse.
Einerseits rhythmisiert die filmische Endlosschlaufe die Malerei und betont
so speziell das Theatralische der Bewegungen, andererseits werden durch die
expressive Malerei die sehr einfachen Bewegungen emotional aufgeladen.
Durch die Tropfspuren und die Farbgebung der schnell aufgebrachten Farbe
erhalten die Bilder eine gewisse Heftigkeit, ja Brutalität. Durch die Wiederholung
der Bilder entsteht der Eindruck von Endlosigkeit, Beklemmung und Absurdität,
eine Arte Gefangensein in einem anstrengend erscheinenden Bewegungsablauf.
Sisyphusartig drehen sich die Protagonisten im Kreis, als wären sie in einem
Raum eingesperrt – so dass sich ihr Werk speziell für einen Ort wie den Ausstellungsraum
«Loge» eignet. Dessen Besonderheit liegt nämlich in dessen räumlicher
Beschaffenheit: es handelt sich um einen Pavillon – eine kleine, niedrige
«Schachtel» mit Glasfenstern. Für klassische «White Cube»-Ausstellungen ist er
wenig geeignet. Er betont jedoch typische Merkmale Alexandra Maurers Werk,
wie Beklemmung und Gefangensein, und kann in Wechselwirkung mit der
künstlerischen Arbeit sein inhärentes Potential entwickeln. Unter dem Arbeitstitel
«swim» hat die Künstlerin nun eine neue Arbeit eigens für diesen Raum entworfen,
einen Raum, der den Betrachter ihre Arbeit sehr direkt und intensiv
erleben lässt.
«Swim» wird aus drei Projektionen bestehen, die Fenster sind dabei abgedunkelt.
Gezeigt werden Unterwasseraufnahmen in einem Swimmingpool; eine
Frau springt in das Becken, taucht auf und ab. Die drei Projektionen zeigen
verschiedene Schwimm- und Sprungmomente im und ins Wasser. Die Malerei
soll dabei die Hilflosigkeit des schwebenden Körpers im Wasser untermalen. Der
Frauenkörper sucht nach Fassbarem, verliert sich aber in den Luftblasen und im
Auftreibeffekt des Wassers, und wird dadurch entfremdet. Dadurch, dass die
drei Projektionen an zwei gegenüberliegende Wände projiziert werden, scheint
sich der Besucher inmitten des Geschehens zu befinden und selber Einzutauchen
in das Wasser. Ob die Zuschauer dieses Eintauchen als bedrohend oder
betörend empfinden, muss von diesen selber entschieden werden – eine
Reaktion auf dieses eindrückliche Arbeit wird sicher nicht ausbleiben.
Text: Sylvia Rüttimann, 2008